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Mehr Offenheit
und Toleranz, bitte!

______ Seit dem Missbrauchsgutachten im Erzbistum München und Freising treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus. Die katholische Kirche in Deutschland steht am Scheideweg: Schafft sie es, einen Weg der Umkehr und Erneuerung einzuschlagen, oder ist sie zu sehr in ihren alten Strukturen verhaftet, um ihre Glaubensgemeinschaft weiterführen zu können? Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus hat zwei Bestseller zu diesem Thema geschrieben und fordert von der Amtskirche unter anderem mehr Offenheit und Toleranz. Grund genug, ihn in Ahaus zu besuchen.

Für den engagierten Kirchenkritiker gibt es keine Denkverbote: „ Das Sterben der Kirche als Institution kann auch eine Chance zum Neuanfang sein.“

Es gibt keine biblischen oder theologischen Gründe gegen die Weihe von Frauen zu Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen. Hier spielen nur archaische Vorstellungen von der angeblichen Unvereinbarkeit von Sexualität und Kult sowie männliche Machtphantasien eine Rolle.

Pfarrer Stefan Jürgens

Pfarrer Stefan Jürgens,  geb. 1968, Priesterweihe 1994, ist leitender Pfarrer der drei Ahauser Pfarreien mit ihren sieben Gemeinden. Zuvor war er Jugendseelsorger im Oldenburger Land, geistlicher Rektor der katholischen Akademie in Cloppenburg-Stapelfeld sowie Pfarrer in Stadtlohn und Münster. Durch das „Wort zum Sonntag“ sowie als Hörfunksprecher und Buchautor ist er über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt geworden. Zu seinen besonderen Anliegen gehören die geistliche Vertiefung des Glaubens sowie konkrete Schritte zur Reform der Kirche um des Evangeliums willen. Seine Freizeit nutzt er zum Schreiben und zum Musizieren.

Pfarrer von Beruf, Schriftsteller aus Leidenschaft: Mit seinem Buch „Ausgeheuchelt“ war der Erfolgsautor Stefan Jürgens drei Wochen lang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

01

Sie haben den Beruf des Priesters gewählt und bezeichnen ihn als Ihren Traumjob. Was gefällt Ihnen so gut an Ihrer Arbeit? 

Als Priester kann ich voll und ganz nach meinem Gewissen handeln. Niemand sagt mir, wie ich meine Arbeit zu tun habe, ich kann also kreativ sein. Die Frage, was Jesus an meiner Stelle tun würde, ist dabei weitaus wichtiger als das Kirchenrecht. Für Außenstehende mag es zwar nur schwer vorstellbar sein, aber es gibt im Rahmen der Kirche tatsächlich sehr viel Freiheit für die Seelsorge vor Ort. Und das Vertrauen, das einem dabei von den Gläubigen entgegengebracht wird, ist nach wie vor groß.

02

Die katholische Kirche steckt in der Krise, spätestens seit dem Skandal um das Missbrauchsgutachten treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus. Auch in Ihren Gemeinden?

Ja, auch in meinen drei Ahauser Pfarreien treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus. Das ist sehr schade, aber ich habe auch Verständnis dafür. Man muss den Grund zum Kirchenaustritt vom Anlass trennen. Denn meistens liegt der Grund für den Kirchenaustritt in einer längeren Entfremdung vom Glauben und von der Kirchengemeinschaft. Glaube und Kirche verlieren zusehends an Relevanz. Der Anlass für den Kirchenaustritt jedoch ist meistens das Fehlverhalten der Kirchenleitung. Die Zufriedenheit mit der Gemeinde vor Ort ist nach wie vor hoch, die Kritik trifft vor allem die Bischöfe und den Papst, die grundlegende Reformen verhindern.

03

Um die Kunden einer Bank davon zu überzeugen, ihrer Bank treu zu bleiben, gibt es Programme und Maßnahmen zur Kundenbindung. Gibt es die auch bei Ihnen? Wie reagieren Sie auf Kirchenaustritte? 

Kundenbindung geschieht durch Qualität, und zwar überall, in der Bank und in der Kirche. Ich hoffe, dass die Qualität unserer Seelsorge nach wie vor hoch ist. Taufen, Trauungen und Beerdigungen müssen persönlich und niveauvoll gestaltet werden, die Predigt soll gehaltvoll und lebensrelevant sein, seelsorgliche Gespräche müssen Wirkung zeigen. Besonders wichtig ist die Partizipation, also die Beteiligung der ehrenamtlichen Gemeindemitglieder an Entscheidungsprozessen. Wenn jemand aus der Kirche austritt, mache ich ein Gesprächsangebot und frage, was wir verbessern können.

  1. Pfarrer von Beruf, Schriftsteller aus Leidenschaft: Mit seinem Buch „Ausgeheuchelt“ war der Erfolgsautor Stefan Jürgens drei Wochen lang auf der Spiegel-Bestsellerliste.
  2. Für den engagierten Kirchenkritiker gibt es keine Denkverbote: „ Das Sterben der Kirche als Institution kann auch eine Chance zum Neuanfang sein.“
  3. Mut zur Moderne spiegelt sich auch in der außergewöhnlichen Architektur der Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Ahaus. Entwurf: Erwin Schiffer aus Köln. Kirchenfenster: Prof. Dr. Georg Meistermann.

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Um die Kunden einer Bank davon zu überzeugen, ihrer Bank treu zu bleiben, gibt es Programme und Maßnahmen zur Kundenbindung. Gibt es die auch bei Ihnen? Wie reagieren Sie auf Kirchenaustritte? 

Kundenbindung geschieht durch Qualität, und zwar überall, in der Bank und in der Kirche. Ich hoffe, dass die Qualität unserer Seelsorge nach wie vor hoch ist. Taufen, Trauungen und Beerdigungen müssen persönlich und niveauvoll gestaltet werden, die Predigt soll gehaltvoll und lebensrelevant sein, seelsorgliche Gespräche müssen Wirkung zeigen. Besonders wichtig ist die Partizipation, also die Beteiligung der ehrenamtlichen Gemeindemitglieder an Entscheidungsprozessen. Wenn jemand aus der Kirche austritt, mache ich ein Gesprächsangebot und frage, was wir verbessern können.

04

Wie haben die Menschen auf Ihre kirchenkritischen Bücher reagiert?

An der Kirchenbasis, also bei den Christen in den Gemeinden, wurden die Bücher gut aufgenommen, es herrschte Einigkeit in der Kritik und beim Reformbedarf. Die meisten Kollegen und die Kirchenleitung haben jedoch gar nicht reagiert, Ignoranz ist ein scharfes Schwert.

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Im Frühjahr 2021 verbot der Papst, homosexuelle Paare zu segnen, weil Gott „die Sünde“ nicht segne. Sie sehen das anders und treten sogar für Strukturen ein, in denen Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer sexuellen Orientierung geachtet werden und gleichberechtigten Zugang zu allen Ämtern und Aufgaben erhalten. Hat die Kirche Angst vor Homosexualität?

Das sind eigentlich zwei Fragen, die Sie da stellen. Zum einen geht es um die Gleichstellung der Frau und deren Zugang zu allen Diensten und Ämtern der Kirche. Es gibt keine biblischen oder theologischen Gründe gegen die Weihe von Frauen zu Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen. Hier spielen nur archaische Vorstellungen von der angeblichen Unvereinbarkeit von Sexualität und Kult sowie männliche Machtphantasien eine Rolle. Eine Religionsgemeinschaft, die die Hälfte ihrer Mitglieder diskriminiert, kann jedoch in der modernen Welt einpacken. Zum andern geht es um das Thema Homosexualität, das innerhalb der Kirche weder theologisch noch humanwissenschaftlich aufgearbeitet ist. Theologisch hielt man über Jahrhunderte an der Fehlinterpretation bestimmter Bibelstellen fest, humanwissenschaftlich müssten bestimmte naturrechtliche Vorstellungen längst überwunden sein. Ich behaupte: Die Homophobie der Erzkonservativen hat ihren Grund in der verdrängten Homosexualität eines überdurchschnittlich hohen Anteils der Amtsträger. Der Anteil Homosexueller ist bei den katholischen Priestern und Bischöfen weitaus höher als bei anderen Männern, denn die zölibatäre und auch elitäre Hierarchie ist für Männer mit einer verdrängten oder fromm getarnten Homosexualität ein ideales Umfeld; es wird dann verteufelt, was man selbst nicht annehmen kann. Wir brauchen deshalb einen ehrlichen Umgang damit, und wir brauchen eine positive Sichtweise auf die Themen Liebe, Partnerschaft und Sexualität. In meinen drei Pfarreien praktizieren wir bereits diesen offenen Umgang, es gibt Seelsorge für alle, niemandem wird ein Segen verweigert. 

Mut zur Moderne spiegelt sich auch in der außergewöhnlichen Architektur der Kirche St. Mariä Himmelfahrt in Ahaus. Entwurf: Erwin Schiffer aus Köln. Kirchenfenster: Prof. Dr. Georg Meistermann.

Eine Religionsgemein-schaft, die die Hälfte ihrer Mitglieder diskriminiert, kann jedoch in der modernen Welt einpacken.

Pfarrer Stefan Jürgens

Ort der Stille und Reflexion: das kunstvoll verzierte Tabernakel von St. Mariä mit dem Lamm Gottes im Mittelpunkt.

Ort der Stille und Reflexion: das kunstvoll verzierte Tabernakel von St. Mariä mit dem Lamm Gottes im Mittelpunkt.

Eine Religionsgemeinschaft, die die Hälfte ihrer Mitglieder diskriminiert, kann jedoch in der modernen Welt einpacken.

Pfarrer Stefan Jürgens

Der Letzte macht das Licht aus? Stefan Jürgens sieht das anders – und brennt weiterhin für seinen Glauben und seinen Beruf.

06

Stellen Sie sich vor, Sie machen eine steile Karriere und werden überraschend Papst, also der CEO der katholischen Kirche. Wie sähe Ihr Sanierungsprogramm aus? Wie würden Sie die Kirche der Zukunft aufstellen?

Die katholische Kirche ist von ihrer derzeitigen Struktur her eine absolutistische Monarchie. Bischöfe regieren wie Könige, der Papst tritt auf wie ein Kaiser. Die Kirche muss daher zunächst die Frauen zu allen Weiheämtern zulassen, dann den Pflichtzölibat abschaffen, für transparente und synodale, also demokratische Strukturen sorgen und Gewaltenteilung praktizieren. Eine solch grundlegende Reform käme jedoch nicht überall gut an, es drohte eine Kirchenspaltung, denn es gibt in der Welt viele Mentalitäten, es gibt aufgeklärte und archaische Kulturen, es gibt rückwärtsgewandt-bewahrende und mutig-reformerische Tendenzen, Meinungen und Haltungen. Deshalb brauchen wir eine polyzentrische Weltkirche. Das bedeutet: Der Vatikan in Rom bleibt das Verwaltungs- und Repräsentationszentrum, damit die Kirche mit einer Stimme sprechen kann. Den Ortskirchen, also den Diözesen und Pfarreien, müssen jedoch größere Gestaltungsmöglichkeiten zugestanden werden, weil auch und gerade sie Zentren gelebten Glaubens sind. Partizipation schafft Motivation, Eigenverantwortung und selbstständiges Handeln erhöhen die Glaubwürdigkeit.

07

Warum bleiben Sie der Kirche trotz Ihrer scharfen Kritik treu?

Ich glaube an Gott, und zwar dank, mit und trotz der Kirche. Ohne die Glaubensgemeinschaft wüsste ich nichts von Jesus, und ohne Glaubensgeschwister würde ich meine Orientierung verlieren. Das Leben und die Botschaft Jesu Christi sind das Beste, das Gott und Welt zu bieten haben. Dafür lohnt sich alles, und das alles hätten wir nicht ohne Kirche! Ganz praktisch: Kirche, das sind für mich diejenigen, die glauben, während ich zweifle, und die beten, wenn ich das nicht kann. Die Institution hat nur die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es die Glaubensgemeinschaft geben kann.

08

Nicht nur die Kirche steht am Scheideweg, sondern auch unsere Gesellschaft spaltet sich immer mehr und zu kontroversen Themen wie Klimakrise oder Pandemie bilden sich schnell unversöhnliche Lager. Die einen wollen Sicherheit und Stabilität, die anderen Offenheit und Veränderung. Wie könnte hier ein Dialog entstehen, der unser Gemeinschaftsgefühl stärkt?

Wir brauchen mehr Gemeinsinn und weniger Ellenbogen, mehr Wir und weniger Ich. Freiheit gibt es nicht ohne Verantwortung, Rechte gibt es nicht ohne Pflichten. Leider beziehen die meisten Menschen ihre Identität nur durch Abgrenzung von anderen, was auch eine Bildungsfrage ist. Wir brauchen deshalb Herzensbildung, also die Bildung des Charakters. Diese ist weitaus wichtiger als das Ansammeln von Wissen und Fähigkeiten. Wer sich in andere einfühlen kann, findet viel besser einen unverwechselbaren Platz in der Gesellschaft. Er fragt nicht mehr: „Was habe ich davon?“, sondern: „Was kann ich beitragen?“ Die Kirche wird nicht mehr als lebensrelevant angesehen, aber ich bin davon überzeugt, dass sie dennoch einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft leisten kann. Dazu muss sie selbst Offenheit und Toleranz praktizieren, mehr integrieren und weniger ausgrenzen. Je christlicher die Christen leben, je mehr sie also nach dem Vorbild Jesu leben, desto besser ist es für alle.

09

Was macht die Privatperson Stefan Jürgens, wenn sie Freizeit oder Feierabend hat?

Bei der Leitung von drei Pfarreien, die aus ehemals sieben selbstständigen Gemeinden bestehen, bleibt einem nicht viel Freizeit. Deshalb muss ich sie sinnvoll gestalten – unterwegs mit guten Freunden, zu Hause mit guten Büchern und vor allem am Klavier. Ich habe im Pfarrhaus einen Konzertflügel und musiziere jeden Tag eine Stunde. Das ist ein guter Ausgleich, es ist meine eigene kleine Welt. Musik ist für mich Teil meiner Persönlichkeit, meiner Spiritualität.

Pfarrer Stefan Jürgens bleibt gelassen, wenn es um die Zukunft der Kirche geht. „Wichtig ist doch nur, an Gott zu glauben. Das geht mit oder ohne die Kirche.“

Der Letzte macht das Licht aus? Stefan Jürgens sieht das anders – und brennt weiterhin für seinen Glauben und seinen Beruf.

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Stellen Sie sich vor, Sie machen eine steile Karriere und werden überraschend Papst, also der CEO der katholischen Kirche. Wie sähe Ihr Sanierungsprogramm aus? Wie würden Sie die Kirche der Zukunft aufstellen?

Die katholische Kirche ist von ihrer derzeitigen Struktur her eine absolutistische Monarchie. Bischöfe regieren wie Könige, der Papst tritt auf wie ein Kaiser. Die Kirche muss daher zunächst die Frauen zu allen Weiheämtern zulassen, dann den Pflichtzölibat abschaffen, für transparente und synodale, also demokratische Strukturen sorgen und Gewaltenteilung praktizieren. Eine solch grundlegende Reform käme jedoch nicht überall gut an, es drohte eine Kirchenspaltung, denn es gibt in der Welt viele Mentalitäten, es gibt aufgeklärte und archaische Kulturen, es gibt rückwärtsgewandt-bewahrende und mutig-reformerische Tendenzen, Meinungen und Haltungen. Deshalb brauchen wir eine polyzentrische Weltkirche. Das bedeutet: Der Vatikan in Rom bleibt das Verwaltungs- und Repräsentationszentrum, damit die Kirche mit einer Stimme sprechen kann. Den Ortskirchen, also den Diözesen und Pfarreien, müssen jedoch größere Gestaltungsmöglichkeiten zugestanden werden, weil auch und gerade sie Zentren gelebten Glaubens sind. Partizipation schafft Motivation, Eigenverantwortung und selbstständiges Handeln erhöhen die Glaubwürdigkeit.

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Warum bleiben Sie der Kirche trotz Ihrer scharfen Kritik treu?

Ich glaube an Gott, und zwar dank, mit und trotz der Kirche. Ohne die Glaubensgemeinschaft wüsste ich nichts von Jesus, und ohne Glaubensgeschwister würde ich meine Orientierung verlieren. Das Leben und die Botschaft Jesu Christi sind das Beste, das Gott und Welt zu bieten haben. Dafür lohnt sich alles, und das alles hätten wir nicht ohne Kirche! Ganz praktisch: Kirche, das sind für mich diejenigen, die glauben, während ich zweifle, und die beten, wenn ich das nicht kann. Die Institution hat nur die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es die Glaubensgemeinschaft geben kann.

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Nicht nur die Kirche steht am Scheideweg, sondern auch unsere Gesellschaft spaltet sich immer mehr und zu kontroversen Themen wie Klimakrise oder Pandemie bilden sich schnell unversöhnliche Lager. Die einen wollen Sicherheit und Stabilität, die anderen Offenheit und Veränderung. Wie könnte hier ein Dialog entstehen, der unser Gemeinschaftsgefühl stärkt?

Wir brauchen mehr Gemeinsinn und weniger Ellenbogen, mehr Wir und weniger Ich. Freiheit gibt es nicht ohne Verantwortung, Rechte gibt es nicht ohne Pflichten. Leider beziehen die meisten Menschen ihre Identität nur durch Abgrenzung von anderen, was auch eine Bildungsfrage ist. Wir brauchen deshalb Herzensbildung, also die Bildung des Charakters. Diese ist weitaus wichtiger als das Ansammeln von Wissen und Fähigkeiten. Wer sich in andere einfühlen kann, findet viel besser einen unverwechselbaren Platz in der Gesellschaft. Er fragt nicht mehr: „Was habe ich davon?“, sondern: „Was kann ich beitragen?“ Die Kirche wird nicht mehr als lebensrelevant angesehen, aber ich bin davon überzeugt, dass sie dennoch einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft leisten kann. Dazu muss sie selbst Offenheit und Toleranz praktizieren, mehr integrieren und weniger ausgrenzen. Je christlicher die Christen leben, je mehr sie also nach dem Vorbild Jesu leben, desto besser ist es für alle.

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Was macht die Privatperson Stefan Jürgens, wenn sie Freizeit oder Feierabend hat?

Bei der Leitung von drei Pfarreien, die aus ehemals sieben selbstständigen Gemeinden bestehen, bleibt einem nicht viel Freizeit. Deshalb muss ich sie sinnvoll gestalten – unterwegs mit guten Freunden, zu Hause mit guten Büchern und vor allem am Klavier. Ich habe im Pfarrhaus einen Konzertflügel und musiziere jeden Tag eine Stunde. Das ist ein guter Ausgleich, es ist meine eigene kleine Welt. Musik ist für mich Teil meiner Persönlichkeit, meiner Spiritualität.

Pfarrer Stefan Jürgens bleibt gelassen, wenn es um die Zukunft der Kirche geht. „Wichtig ist doch nur, an Gott zu glauben. Das geht mit oder ohne die Kirche.“