*** HINTERGRUNDFARBE DER KOPFZEILE ANALOG ZUM ERSTEN ABSCHNITT ANZEIGEN ***

Die Schrauben­könige
Die Schrauben­könige
______ Ein winziges Stück Metall hält die Welt zusammen – und eine Firma aus Gronau Epe hat den Dreh raus, wie man damit besonders erfolgreich sein kann: Fastbolt importiert und vertreibt Schrauben und Muttern in ganz Europa. Dabei setzt der lang­jährige Kunde der Volksbank Gronau-Ahaus auf ein besonderes Geschäftsmodell und hat seinen Vertrieb wie kein anderes Unternehmen in der Branche digitalisiert.
______ Ein winziges Stück Metall hält die Welt zusammen – und eine Firma aus Gronau Epe hat den Dreh raus, wie man damit besonders erfolgreich sein kann: Fastbolt importiert und vertreibt Schrauben und Muttern in ganz Europa. Dabei setzt der lang­jährige Kunde der Volksbank Gronau-Ahaus auf ein besonderes Geschäftsmodell und hat seinen Vertrieb wie kein anderes Unternehmen in der Branche digitalisiert.

VVon außen sieht der Hauptsitz von Fastbolt aus wie viele Mittelständler in Deutschland. Ein Parkplatz, ein dreistöckiger Flachbau, in dessen Architektur das rotblaue Firmenlogo aufgegriffen ist, eine langgestreckte Halle. Auch im zweiten Stock, in dem Ekkehard Beermann in seinem zweckmäßig eingerichteten Büro sitzt, ist auf den ersten Blick das Erfolgsgeheimnis noch nicht zu erkennen, das für das kräftige Wachstum des 1982 gegründeten Unternehmens verantwortlich ist. Der Geschäftsführer, der seit 2001 bei Fastbolt arbeitet und im Vertrieb startete, kennt das schon. „Unser Produkt ist ganz schön dröge, da muss man viel erklären“, sagt er. „Wir kaufen Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben und Gewindestangen, die im Fachjargon Verbindungselemente heißen, in Asien – und verkaufen sie mit Standorten in Deutschland, England und Portugal an Großhändler“, erzählt Beermann über seine Firma. „Wir haben uns mit einem sehr speziellen Sortiment auf eine klare Zielgruppe konzentriert, was unsere Position im Markt stark gemacht hat.“ Der 46-Jährige, der mit seiner Familie fünf Minuten vom Firmensitz entfernt lebt, kennt sich bestens aus in der Szene, arbeitete in verschiedenen Unternehmen in der Branche, gründete selbst auch ein Start-up, das einen virtuellen Marktplatz für Schrauben aufbaute – und scheiterte. „Ich habe da enorm viel gelernt, was ich heute hier einbringen kann.“

1.
2.

Die Fokussierung auf das Wesentliche zum Beispiel: Fastbolt macht das Gegenteil von Diversifizierung, spricht mit wenigen Produktgruppen rund 1800 Schraubenvertriebsunternehmen an, „von Betrieben mit einem Außendienstler bis zum Großhändler mit 1000 Mitarbeitern“. Die Leistung des Eperaner Unternehmens besteht darin, ein rund 8000 Produkte starkes Sortiment auf insgesamt 30.000 Palettenplätzen ständig so verfügbar zu haben, wie die Kunden es benötigen. „Das ist eine große Herausforderung, weil wir zum Beispiel Händler haben, die just in time wiederum ihre Kunden in der Auto- oder Maschinenbauindustrie beliefern müssen.“ Die Stärke von Fastbolt besteht deswegen darin, auch vergleichsweise kleine Mengen der hochqualitativen Produkte immer auf die Stunde pünktlich liefern zu können. Dazu hat das Unternehmen ein verlässliches Liefernetzwerk in China aufgebaut, inklusive eines eigenen Werk­stoffprüfbüros, das seine Dienste auch Fremdunternehmen anbietet. 

Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen darauf spezialisiert, die richtigen Verbindungsteile genau zu den passenden Kunden zu bekommen, und dafür ein eigenes E-Commerce-System auf die Beine gestellt, das in dieser Form in der Branche einzigartig ist. Eine eigene IT-Abteilung entwickelt eine passgenaue Software und einen avancierten Webshop, der sämtliche Schnittstellen bedienen kann. „Wir treiben die Digitalisierung der Einkaufsprozesse voran, indem wir für jeden Händler eine innovative Lösung schaffen und unsere webbasierte Applikation anbinden können.“

Das System kann viel. Es berechnet zum Beispiel die Preise sekündlich neu, auf Grundlage der Vorgaben, die die Experten von Fastbolt eingegeben haben. Faktoren dafür sind etwa die Verfügbarkeit im Lager bei Fastbolt, die Preissituation in der Beschaffung, die Zeit der Lieferung eines Containers auf hoher See bis ins Lager oder auch die Nachfrage der Kunden. „Wir haben es so geschafft, dass wir für den Kunden immer wettbewerbsfähige Preise anbieten und gleichzeitig in einer Branche mit viel Margendruck auch für uns das Beste herausholen können.“

Unsere Kunden reichen von Betrieben mit einem Außendienstler bis zum Großhändler mit 1000 Mitarbeitern.

EKKEHARD BEERMANN

4.
3.
5.
  1. Von hier nach ganz Europa: Ekkehard Beermann in der Fastbolt-Lagerhalle
  2. Fastbolt 1982. Damals noch ein kleiner Mittelständler. Heute ein 1000-köpfiger Großhandel.
  3. Digital Schrauben verkaufen: Das E-Commerce-System von Fastbolt
    ist in der Branche einzigartig.
  4. 28 Meter hohe Regale, die die Zukunft tragen
  5. Mitarbeiter im Vertrieb

Hinzu kommt ein Online-Chatraum, in dem sich die Kunden mit Fastbolt-Vertrieblern austauschen können – und das international. „Englisch können die meisten Kunden, sodass wir am Ende immer zu einer guten Lösung kommen“, sagt Beermann. Mit der digitalen Plattform lassen sich zudem Rabattierungen steuern, die ähnlich wie Vielfliegerprogramme funktionieren: Wer in einem Quartal über eine bestimmte Summe online einkauft, bekommt im nächsten Quartal einen definierten Rabatt.

Das Wachstum des Unternehmens hat die Volksbank Gronau-Ahaus begleitet. Mit ihr arbeitet Fastbolt seit vielen Jahren zusammen. „Uns hat damals eine Großbank betreut, die sich von Mittelstandsfinanzierungen ab- und anderen Branchen zuwenden wollte“, erzählt Beermann. Die alte Bank war nicht glücklich mit den Kennzahlen, wollte höhere Umsätze und Renditen. Außerdem legte sie einen Branchenschlüssel an, der von falschen Voraussetzungen ausging. „Die haben unser Geschäft gar nicht richtig verstanden. Wir betrachten unser Business zudem immer in Dreijahresschritten, weil es bei Handelswaren immer mal Schwankungen gibt – etwa durch die wechselnden Rohstoffpreise von Stahl in China“, macht der Geschäftsführer klar, der auf die langfristig immer positive Entwicklung seines Unternehmens verweist: Im Schnitt ist Fastbolt bei Umsatz und Gewinn kontinuierlich gewachsen. Die bisherige Bank kündigte Fastbolt schließlich. Ein neues Geldinstitut musste also her, das die Investitionen und die teilweise hohen, stark schwankenden Lagerbestände finanzieren konnte. Fastbolt machte sich auf die Suche nach Ersatz und fand die Volksbank Gronau-Ahaus. „Für uns war das ein Glücksgriff, weil wir sofort gemerkt haben, wie offen, flexibel und mittelstandsorientiert die Bank ist. Ihre Berater haben uns gefragt, was uns unser Geschäft bedeutet, wollten unsere Geschichte erfahren und die Besonderheiten, die es in unserer Branche gibt.“ Das Interesse der Volksbank, das betont Beermann, war auch für ihn eher ungewöhnlich. „Wir sind kein typischer Kunde, aber dennoch hat sich für beide Seiten eine sehr vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit ergeben.“ Die Volksbank ist seitdem sämtliche Ausbaustufen des Unternehmens mitgegangen. „Wir verstehen die Bank dabei nicht als reinen Geldgeber für unsere Investitionen, etwa in IT-Projekte, Gebäude oder unser Umlaufvermögen, sondern als vertrauten Strategiepartner, mit dem wir auch über unsere Entscheidungen diskutieren können.“

Uns hat damals eine Großbank betreut, die sich von Mittelstands-
finanzierungen ab-
und anderen Branchen zuwenden wollte.

EKKEHARD BEERMANN

Der Umsatz hat sich seither vervierfacht, und das Wachstum soll noch lange nicht enden. Fastbolt plant, das Know-how, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde, weiter zu nutzen. „Wir wollen zum Beispiel unseren E-Commerce auch für andere Produktgruppen öffnen, die unsere Kunden interessieren, und damit unsere Systeme skalieren“, blickt Beermann in die Zukunft. Der virtuelle Ausbau ist also in Sicht. Doch dem muss/soll sich auch die Firmengröße in der Realität anpassen: In Gronau-Epe, direkt neben dem Firmengelände, hat Fastbolt ein Grundstück gekauft, auf dem in den kommenden Jahren ein 28 Meter hohes vollautomatisches Hochregallager gebaut werden kann. „Wir können so 30 bis 40 % mehr Produkte umschlagen“, sagt Beermann. „Damit sichern wir unseren Erfolg auch für die Zukunft.“