Pink statt grün
______ Es ist ein Bild, das man so schnell nicht vergisst: eine lange Reihe gut gelaunter Frauen, die ihre großen pinken Schirme aufspannen. Kein Regenguss weit und breit, und doch wirkt das Bild wie ein Statement. Ein fröhliches Augenzwinkern in Richtung der Männer, die beim Schützenfest traditionell in Uniform, mit Hut und Gewehr aufmarschieren. Hier bei den Schützinnen von St. Elfi ist alles ein wenig anders. Und genau darum geht es.
Ein Verein wie kein anderer. Die Schützinnen von St. Elfi in Heek machen ihr eigenes Ding – mit pinkem Schirm und viel guter Laune.
Unsere neugierigen Interviewfragen landeten daher auch nicht einfach auf irgendeinem Schreibtisch, sondern machten gleich im ganzen Verein die Runde. Sie wurden weitergeleitet, geteilt, diskutiert, und bald sprudelten die Antworten nur so. Manche Schützinnen schrieben spontan, andere überlegten gemeinsam. Am Ende sammelte Wiebke Schneider alles ein und fasste es zusammen. Als Erste Vorsitzende spricht sie nach außen, aber was sie erzählt, ist echte Teamarbeit. „Was uns antreibt, sind der Zusammenhalt unter allen Frauen und die Begeisterung für unsere Sache, die jedes Mal aufs Neue zu spüren sind“, sagt sie.
Von der Schnapsidee zum Schützenverein
Es gibt Gebäude, die sind mehr als nur vier Wände und ein Dach. Sie sind Speicher von Erinnerungen, Ideen, Leidenschaft. So ein Haus steht in der Merschstraße 21 in Gronau-Epe. Jahrzehntelang prägte der Galerist Georg van Almsick hier mit Ausstellungen und Konzerten das Kulturleben. Als er starb, hinterließ er nicht nur eine Sammlung, sondern auch eine Vision: dass Kunst für Menschen da sein soll, nicht umgekehrt.
2021 ging das Gebäude samt Nachlass an die Bürgerstiftung Gronau. 2023 wurden die Türen wieder geöffnet – diesmal nicht als private Galerie, sondern als gemeinsames Kulturwohnzimmer der Stadt. Der neue Name ist Programm: Georgs Galerie. Ein Vermächtnis, das lebt, weil viele mit anpacken.
‚Dann machen wir eben unseren eigenen Frauenschützenverein!‘
Zwei Monate später saßen wir wieder in der Kneipe, und diesmal war klar: Wir ziehen das durch.“ Der Name war schnell gefunden. Ein bisschen Brainstorming, eine Portion Kreativität und dann hieß der Verein auf einmal „St. Elfi“. Ohne bedeutungsschweren Hintergrund, einfach so. „Wir fanden den Namen spitze, weil er irgendwie frech klang und sofort hängen blieb.“ Dazu kam ein cooles Logo, entworfen von einer Kreativen aus dem Dorf: ein Schirm, pink natürlich.
- Sekundiert von ihren Ehrendamen grüßt die stolze Schützenkönigin Magdalena das jubelnde Volk.
- Der Schirm der Frauenschützen ist Symbol, praktischer Sonnenschutz und selbstbewusstes Statement zugleich.
Der Schirm wurde Symbol und unverzichtbares Accessoire zugleich.
„Am Anfang haben uns viele Männer belächelt. Ein Frauenschützenverein? Das konnte doch nicht ernst gemeint sein.“ Heute jubeln dieselben Männer, wenn die Frauen in langer Polonaise durchs Dorf ziehen. „Manche Kerle sind vielleicht ein wenig traurig, dass sie nicht bei unserem Fest mitfeiern dürfen, aber das ist eben genau das, was uns als Frauenverein ausmacht.“ Mittlerweile sind die St.-Elfi-Schützinnen fester Bestandteil im Dorfleben. Sie werden zu offiziellen Anlässen eingeladen, zum Volkstrauertag etwa. Und sie besuchen natürlich auch die Feste der Männer. Konkurrenz? Fehlanzeige. „Jeder macht sein Ding, aber wir verstehen uns bestens. Schließlich profitieren alle davon.“
„Am Anfang haben uns viele Männer belächelt. Ein Frauenschützenverein? Das konnte doch nicht ernst gemeint sein.“
Wiebke Schneider
Schießen, Taufen, Schirmtragen – was macht eigentlich so ein Frauenschützenverein anders als die männlichen Pendants?
Gleiche Regeln,
eigener Stil
Was macht ein Frauenschützenverein anders als die Männer? Kurz gesagt: weniger, als viele denken – und genau das überrascht. Auf dem Schießstand knallen keine Sektkorken in Richtung Adler, sondern es wird scharf geschossen. Mit dem Kleinkalibergewehr auf den kunstvoll geschnitzten Holzvogel, jeder Treffer wird gefeiert, Spannung pur liegt in der Luft, und wenn das letzte Stück fällt, ist der Jubel groß. Der Unterschied steckt nicht im Ablauf, sondern im Drumherum. Im Miteinander, im Humor, im pinken Schirm, der hier niemandem etwas beweisen muss. Gleiche Regeln, gleiche Zielscheibe, aber eine Atmosphäre, die man so nur bei St. Elfi findet.
Der stolze Heeker Königsadler darf nur während der Sommermonate gejagt werden. Man erkennt ihn schon von Weitem an seinem pinken Gefieder und den königlichen Insignien: Zepter und Heeker Reichsapfel.
Gemeinschaft,
die verbindet
Was den Verein außerdem so besonders macht, ist das Miteinander, das dort entstanden ist, ein Gefühl von Nähe, das verbindet und trägt. „Wir bringen Heek, Ahle und Nienborg zusammen – egal ob jung oder alt. Frauen, die sich sonst nie begegnet wären, treffen sich hier. Das ist ein echter Schatz.“ In einem Nachbardorf gibt es einen zweiten Frauenschützenverein, mit dem man selbstverständlich Kontakt pflegt. „Ansonsten kennen wir noch keine weiteren, aber das wird sich hoffentlich ändern. Vielleicht stecken wir gemeinsam sogar noch mehr Frauen an.“
Die Begeisterung und Motivation der Heeker Schützinnen sind ungebrochen. Der aktuelle Vorstand möchte noch einige Jahre zusammen weitermachen, gleichzeitig gibt es schon Interessentinnen für die Zukunft. „Nachwuchs ist gesichert“, sagt Wiebke. Und auch die Feste locken immer mehr Besucher aus der Umgebung an. „Beim letzten Schützenfest haben wir es mit 650 Ladys gemeinsam richtig krachen lassen. Und wer einmal dabei war, kommt garantiert wieder.“ Was bestellt die Damenwelt denn an der Theke, wenn im Festzelt die Kuh zum Fliegen gebracht werden soll? „Elfi’s Schuss natürlich. Das ist ein Zitronenlikör mit Soda, obendrauf ein Hauch pinkes Lametta und natürlich ein pinkes Schirmchen. Ich mix euch mal einen.“ Wenn Tradition so viel Spaß machen kann, sollte man sie ruhig öfter neu erfinden. Aus einer spontanen Idee ist ein Stück gelebte Gemeinschaft geworden.
Die Frauen von St. Elfi zeigen, dass selbst die alte Männerdomäne der Schützenvereine Platz hat für Herz, Humor und eine gute Portion Weiblichkeit. Und wenn die pinken Schirme in den blauen Himmel über Heek gereckt werden, spürt man: Hier hat etwas begonnen, das die Menschen noch lange begeistern wird.
Beim Schießen auf den Holzadler darf jedes Vereinsmitglied mitmachen. MIt jedem Treffer wird der hölzerne Vogel ein Stückchen kleiner und ist schwerer zu treffen. Vor allem, wenn einem alle anderen Schützinnen dabei aufmerksam zuschauen. Wer am Ende das letzte verbliebene Adlerholz von der Stange schießt, ist die umjubelte neue Schützenkönigin.
„Jeder Treffer wird gefeiert, Spannung pur liegt in der Luft, und wenn das letzte Stück fällt, ist der Jubel groß.“
Wiebke Schneider
Wer am Ende das letzte verbliebene Adlerholz von der Stange schießt, ist die umjubelte neue Schützenkönigin.
Rezept: Elfi’s Schuss – der offizielle Vereinsdrink der Schützinnen von St. Elfi
Zutaten (für 1 Glas)
- 4 cl Bovenkercks Zitronenlikör
(oder ein anderer, Hauptsache, frisch und fruchtig) - 6 cl spritziges Sodawasser
- Eiswürfel – je größer, desto besser
- 1 Prise pinkes Lametta
- 1 pinker Cocktail-Schirm (Pflicht!)
Zubereitung
- Ein Glas bis zum Rand mit Eiswürfeln füllen
- Zitronenlikör über die Eiswürfel gießen – bei St. Elfi gilt: Viel hilft viel.
- Mit Soda auffüllen.
- Nun kommt das Vereinsgeheimnis: ein Hauch pinkes Lametta ins Glas. Das sieht spektakulär aus und funkelt im Licht fast wie ein Schützenorden.
- Den pinken Cocktail-Schirm aufspannen, ins Glas stecken – fertig.
Serviertipp
Unbedingt in Gesellschaft trinken, am besten unter pinken Schirmen, während im Hintergrund der Vogel wackelt.
St. Elfi’s Ehrenregel
Wer das Schirmchen zuerst verliert, muss eine Runde für alle ausgeben.