Erbe gut, alles gut.
______ Wie aus dem Vermächtnis eines Galeristen ein offenes Kulturhaus wurde – getragen von einer Bürgerstiftung und von Menschen aus der Region, die Kunst, Begegnung und Gemeinschaft möglich machen.
- Ein Haus mit kreativer Geschichte. Früher private Galerie, heute Treffpunkt für gemeinsame Aktivitäten und Kulturerlebnisse.
- Licht, Luft, Ideen. Die modernen Innenräume von Georgs Galerie vermitteln Offenheit und machen Lust auf Begegnung.
- Georg van Almsick. Mit seiner Galerie prägte Georg van Almsick über Jahrzehnte das kulturelle Leben in Gronau. Sein Vermächtnis wirkt bis heute weiter.
„So etwas
brauchen wir hier
in Gronau.“
Felizitas Söbbecke
Es gibt Gebäude, die sind mehr als nur vier Wände und ein Dach. Sie sind Speicher von Erinnerungen, Ideen, Leidenschaft. So ein Haus steht in der Merschstraße 21 in Gronau-Epe. Jahrzehntelang prägte der Galerist Georg van Almsick hier mit Ausstellungen und Konzerten das Kulturleben. Als er starb, hinterließ er nicht nur eine Sammlung, sondern auch eine Vision: dass Kunst für Menschen da sein soll, nicht umgekehrt.
2021 ging das Gebäude samt Nachlass an die Bürgerstiftung Gronau. 2023 wurden die Türen wieder geöffnet – diesmal nicht als private Galerie, sondern als gemeinsames Kulturwohnzimmer der Stadt. Der neue Name ist Programm: Georgs Galerie. Ein Vermächtnis, das lebt, weil viele mit anpacken.
Ein Haus,
das lebt.
Was Bürgerstiftungen anders machen:
Bürgerstiftungen sind keine gewöhnlichen Stiftungen. Sie gehören nicht einem Mäzen oder einer Institution, sondern vielen Menschen. Ihr Kapital kommt von Bürgerinnen und Bürgern, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Sie sind unabhängig von Politik und kurzfristigen Etatentscheidungen. Sie denken langfristig und handeln trotzdem schnell, wenn es nötig ist. Genau das macht den Unterschied: Während eine Kommune für jeden Beschluss Ausschüsse bemühen muss, kann eine Bürgerstiftung ein Projekt einfach starten. Während klassische Stiftungen oft nur Geld vergeben, mischen Bürgerstiftungen selbst operativ mit. Sie sind Förderer und Macher. Genau dieses Andersmachen prägt Georgs Galerie. Hier geht es nicht nur darum, Ausstellungen zu finanzieren, sondern auch darum, Räume zu öffnen, Programme zu erfinden, Begegnungen zu ermöglichen.
Anders machen heißt, Kultur selbst zu gestalten
Dass aus der alten Galerie ein lebendiger Kulturort werden konnte, lag auch am kreativen Finanzierungsmix. Rund eine halbe Million Euro brachte die Bürgerstiftung aus dem Nachlass van Almsicks ein. Den Rest steuerten die Stadt Gronau, das EU-Programm LEADER sowie ein erfolgreiches Crowdfunding bei. Ein Modell, das zeigt, wie Kultur auch jenseits von Etatgrenzen funktionieren kann.
In Georgs Galerie wird Kultur gemeinsam gestaltet.
- Georg van Almsick. Mit seiner Galerie prägte Georg van Almsick über Jahrzehnte das kulturelle Leben in Gronau. Sein Vermächtnis wirkt bis heute weiter.
- „Kunst trifft Korken“. Bei diesem Format entstehen Kunstwerke und Gespräche entspannt bei einem Glas Wein.
Cordula Sandmann
Stiftungsmanagerin
Programm mit Persönlichkeit
Georgs Galerie ist kein modernistischer Museumswürfel, in dem man ehrfürchtig flüstern muss. Sie ist ein offenes Haus mit einer festen Ansprechpartnerin. Cordula Sandmann kümmert sich mit großem Engagement um das Programm und macht immer wieder neue Ideen möglich. Die Palette ist breit: Klassik-Matineen ziehen Musikliebhaber an. Ausstellungen regionaler Künstlerinnen und Künstler machen sichtbar, was hier vor Ort entsteht. Workshops im Rahmen des Kulturrucksacks NRW eröffnen Kindern erste Zugänge zur Kunst. Und Formate wie „Kunst trifft Korken“ laden dazu ein, bei einem Glas Wein ins Gespräch zu kommen. Niederschwellig, unkompliziert, nah.
Das Andersdenken zeigt sich auch in der Art, wie dieser Ort organisiert ist. Im Vergleich mit anderen Kulturorten geht Georgs Galerie einen eigenen Weg. Sie ist kein Museum, das von Haushaltsplänen abhängt, und keine private Galerie, die verkaufen muss. Sie ist auch kein klassisches Kulturzentrum, das allein vom ehrenamtlichen Engagement getragen wird.
Ein Vermächtnis, das lebt, weil viele mit anpacken.
In Georgs Galerie kommen unterschiedliche Kräfte zusammen: Bürgerinnen und Bürger, Stiftung, Ehrenamt und professionelle Organisation. Entscheidungen entstehen aus Verantwortung für den Ort und für die Region, nicht aus Marktdenken oder bürokratischen Vorgaben. Kunst wird hier nicht ehrfürchtig auf einen Sockel gestellt, sondern als Teil des Alltags verstanden. Man darf schauen, fragen, mitmachen. So ist ein Ort entstanden, der kein Haus für wenige ist, sondern ein offenes Haus für viele. Getragen von der Überzeugung, dass Kultur dann am stärksten ist, wenn sie gemeinsam gedacht und gelebt wird.
Kreativ sein, ausprobieren, miteinander lachen: In Georgs Galerie erleben Kinder und Erwachsene Gemeinschaft und entdecken Kunst ganz unkompliziert. Ob malen, schneiden, kleben oder experimentieren, hier wird aus Neugier schnell Begeisterung und aus einem Nachmittag eine richtig gute Zeit.
Ein Modell für die Zukunft?
Vielleicht ist Georgs Galerie sogar ein Modell, das Schule machen kann. In Zeiten knapper Kassen und großer gesellschaftlicher Fragen braucht es Orte, an denen Menschen sich begegnen, kreativ werden, Perspektiven wechseln. Bürgerstiftungen können solche Orte schaffen – schnell, flexibel, unabhängig. Gronau hat mit Georgs Galerie vorgemacht, wie das geht. Ein Haus, das vom Erbe lebt und doch in die Zukunft zeigt. Ein Ort, an dem die Region spürt: Wir können Kultur. Wir können Gemeinschaft. Wir können anders.
„Wir freuen uns über jeden,
der sich hier engagieren will.“