52 Wochen.
52 Läufe.
Ein Ziel.
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Der Mann, der für Kinder läuft
______ Wenn Stephan Lendring läuft, fällt er auf. Zwei Meter groß, in voller Feuerwehruniform mit Helm, Jacke, Handschuhen und Stiefeln. Die 22 Kilogramm schwere Einsatzkleidung ist weder atmungsaktiv noch bequem, doch für ihn ist sie Teil seiner Mission. Seit Jahren absolviert der 58-jährige Feuerwehrmann aus Heek jeden seiner Läufe so, wie er auch im Einsatz antritt. Nicht um sich selbst zu beweisen, sondern um Aufmerksamkeit zu wecken.
Auf die Idee kam Lendring, als er vor einigen Jahren Familien kennenlernte, deren Kinder schwer krank waren. Ihr Schicksal ließ ihn nicht mehr los. Aus seiner Leidenschaft fürs Laufen und seinem Engagement bei der Feuerwehr entstand die Idee, beides zu verbinden und in den Dienst anderer zu stellen. Seitdem läuft er, um Kindern und ihren Familien zu helfen – und um zu zeigen, wie viel Ehrenamt bewirken kann. Denn wer „Hightower“ Lendring begegnet, bleibt stehen, fragt, staunt – und genau das will er.
Jedes Gespräch, das daraus entsteht, lenkt die Blicke auf die Hospize und Kinderhilfen, für die er läuft. Während andere im Laufsport persönliche Bestzeiten anpeilen oder den Kopf freibekommen wollen, hat Lendring nur ein Ziel: helfen. „Ich laufe, um auf Kinder aufmerksam zu machen, die Unterstützung brauchen, und um Spenden für sie zu sammeln“, sagt er. „Denn viele dieser Einrichtungen finanzieren sich zu 70 Prozent aus Spenden. Ohne Unterstützung von außen geht es nicht.“
„Wenn du eine Familie triffst, deren Kind unheilbar krank ist, willst du einfach helfen.”
Stephan Lendring
- Marshall, der Feuerwehrhund aus der PAW Patrol, begleitet „Hightower“ Lendring seit fünf Jahren bei jedem Lauf. Ein krankes Mädchen schenkte ihm das Maskottchen einst als Glücksbringer für seinen 500-Kilometer-Marsch durch das Münsterland.
- Stephan Lendring läuft im vollen Feuerwehreinsatz mit rund 22 Kilogramm zusätzlicher Ausrüstung auf Schultern und Rücken. Zum Vergleich: Die komplette Wettkampfausrüstung eines Marathonläufers – Shirt, Shorts, Socken und Schuhe – bringt kaum mehr als etwa 500 Gramm auf die Waage.
Wie bei seinem 112-Kilometer-Lauf quer durch den Kreis Borken, den er innerhalb von 24 Stunden in voller Montur absolvierte. „Nach den ersten Kilometern läuft das Wasser in Strömen“, erzählt er. „Die Jacke ist klatschnass, und irgendwann wird jeder Schritt schwer. Aber wenn ich an all die Kinder denke, die ich kenne, dann weiß ich wieder, warum ich das mache.“ Viele Gesichter hat er vor Augen, Geschichten, die bleiben. Einige der Kinder leben mit schweren Krankheiten, andere sind nicht mehr da. „Das berührt mich jedes Mal tief. Wenn du eine Familie triffst, deren Kind unheilbar krank ist, willst du einfach helfen“, sagt Lendring leise.
Marathon mit Glücksstein
Der Berliner Marathon 2025 war für ihn einer der Höhepunkte des Jahres und eine echte Herausforderung. Bei 27 Grad lief er ausnahmsweise ohne Helm, weil es schlicht zu heiß war. Trotzdem blieb er seiner Linie treu: Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer. „Bei Kilometer 36 kam der Mann mit dem Hammer“, erzählt er lachend. „Da tut alles weh. Aber aufgeben? Aufgeben kannst du bei der Post.“ Ein kleiner Glücksmoment half, durchzuhalten. Ein Mädchen am Streckenrand schenkte ihm einen Stein. „Einfach so, als Glücksstein. Das hat mich richtig gepusht“, sagt er. Und immer wieder jubelten Menschen, Feuerwehrleute, Zuschauer, Kinder. „Da kriegst du Gänsehaut. Das ist Motivation pur.“ Sechs Stunden und 39 Minuten nach dem Start läuft „Hightower“ durchs Brandenburger Tor. Keine Medaille der Welt könnte ihm mehr bedeuten als dieser Moment, denn für ihn zählt nicht die Zeit, sondern das, was seine Kilometer für die Kinder bewirken.
Nach dem Zieleinlauf gönnt sich Stephan Lendring selten eine Pause. Ein kleiner Schluck Wasser, ein paar Worte mit den Mitläuferinnen und Mitläufern, dann denkt er schon an den nächsten Start. Nach dem Lauf ist für ihn eben immer vor dem Lauf.
„Da tut alles weh. Aber aufgeben? Aufgeben kannst du bei der Post.”
Stephan Lendring
Aufmerksamkeit als Mittel zum Zweck
Natürlich zieht er mit seiner Statur und der Feuerwehruniform jedes Mal die Blicke auf sich, und das ist auch so gewollt. Doch nicht er steht dabei im Mittelpunkt, sondern seine Botschaft. Den Presserummel nimmt er gelassen hin, für ihn ist er ein willkommenes Mittel zum Zweck. „Hightower“ will gesehen werden, damit andere nicht übersehen werden: die Kinder und Familien, die Unterstützung brauchen.Mit seinen Läufen will er aber auch auf die Bedeutung des Ehrenamts aufmerksam machen, besonders auf den Einsatz der Feuerwehrleute, die wie er einen Teil ihrer Freizeit in den Dienst anderer stellen.
So wird jeder Lauf von Stephan Lendring zu einer Botschaft, die weiterläuft, auch wenn er längst im Ziel ist.